Entdecken Sie Schweizer Schuhmarken mit fairen Materialien und Pflegetipps. Von On bis Mammut – nachhaltige Schuhe für jeden Anlass.
Stellen Sie sich vor, Sie laufen durch die Zürcher Altstadt – Ihre Schuhe sind nicht nur stylisch, sondern auch ein Statement für faire Arbeit und regionale Rohstoffe. Genau das wird in der Schweiz immer mehr Realität. Während internationale Fast-Fashion-Ketten lieber auf Billiglöhne setzen, entdecken immer mehr Schweizer:innen den Wert von lokaler, nachhaltiger Schuhmode. Über 60 Prozent der hiesigen Bevölkerung legen Wert auf faire Produktion – das zeigt der Swiss Fair Trade Report 2023. Die Schweizer Schuhindustrie reagiert darauf mit Innovation, Transparenz und einer Rückbesinnung auf traditionelles Handwerk. Ob Wanderschuhe aus recycelten Materialien, urbane Turnschuhe mit Korksohle oder luxuriöse Lederstücke aus kontrollierter Produktion: Nachhaltigkeit ist hier kein Trend, sondern eine Haltung. In diesem Artikel zeige ich Ihnen konkrete Marken, Materialien und Pflegetipps, damit Sie Ihre nächste Investition mit gutem Gewissen tätigen können – und dabei auch noch perfekt aussehen.
Warum die Schweiz beim nachhaltigen Schuhdesign vorangeht

Die Schweiz hat eine lange Tradition in der Schuhherstellung – von den Bergschuhen der Alpen bis zu den feinen Lederschuhen der Belle Époque. Heute verbindet sie dieses Erbe mit modernster Umwelttechnik. Drei Faktoren treiben die Entwicklung an: das Bewusstsein der Konsument:innen, die Förderung regionaler Wertschöpfung und der Pioniergeist junger Start-ups.
Die Fair-Trade-Studie 2023 belegt: Über 60 Prozent der Schweizer:innen achten beim Schuhkauf auf faire Produktionsbedingungen. Das ist im internationalen Vergleich ein Spitzenwert. Gleichzeitig setzen immer mehr Gerbereien und Manufakturen auf Schweizer Rohstoffe. Leder aus der Schweiz unterliegt strengen Tierschutz- und Umweltauflagen – kein Vergleich mit der Massenware aus Übersee. Und Innovationen wie die Laufsohle von On oder die Luftpolster-Technologie von Kybun zeigen, dass Nachhaltigkeit und Hochleistung keine Gegensätze sind.
Die Folge: Schweizer Schuhmarken gehören heute zu den nachhaltigsten der Welt. Sie kombinieren lokale Produktion mit recycelten Materialien, setzen auf Kreislaufwirtschaft und bieten Reparaturservices an. Ein Modell, das nicht nur die Umwelt schont, sondern auch die lokale Wirtschaft stärkt.
Diese Schweizer Schuhmarken sollten Sie kennen
Ob Sie durch den Wald joggen, im Büro glänzen oder am Wochenende die Stadt unsicher machen – diese Marken liefern. Sie alle produzieren in der Schweiz oder unter strengen Schweizer Standards.
On Running – der vegane Trail-Turnschuh
Das Zürcher Unternehmen On ist weltweit bekannt für seine CloudTec-Laufsohlen. Weniger bekannt: Die Marke treibt auch die Nachhaltigkeit voran. Der Trail-Turnschuh Cloudultra besteht zu über 70 Prozent aus recyceltem Polyester – und ist komplett vegan. Die Schnürsenkel stammen aus PET-Flaschen, die Sohle aus einer Mischung von Naturkautschuk und recyceltem Gummi. On arbeitet ausserdem mit der Swiss Fair Trade Organisation zusammen, um die gesamte Lieferkette zu zertifizieren.
Mammut – Bergschuhe mit PFC-freier Imprägnierung
Der Traditionshersteller aus Seon (AG) ist seit Jahren Vorreiter in puncto nachhaltige Outdoor-Ausrüstung. Seine Bergschuhe, etwa das Modell Alnasca, sind PFC-frei imprägniert – ohne schädliche Fluorcarbone. Die Schnürsenkel bestehen aus recyceltem Material, und das Leder stammt von zertifizierten europäischen Höfen. Mammut bietet zudem einen Reparaturservice für alle Modelle an, der die Lebensdauer massiv verlängert.
Rieker – Schweizer Leder zertifiziert nach Swissness-Gesetz
Rieker produziert zwar nicht mehr in der Schweiz (die Fertigung liegt in Osteuropa), aber die Lederqualität unterliegt dem Swissness-Gesetz. Das bedeutet: Die Rohhäute stammen aus kontrollierter Schweizer Produktion und werden nach strengen Umweltauflagen gegerbt. Besonders die Antistress-Kollektion vereint Komfort und Nachhaltigkeit – ideal für alle, die viel stehen oder gehen.
Bally – Luxus-Halbschuh mit nachhaltiger Kautschuk-Sohle
Das Schwyzer Luxushaus Bally ist nicht nur für seine eleganten Geschäftsschuhe bekannt, sondern investiert zunehmend in nachhaltige Materialien. Der Halbschuh Bally Slipper etwa trägt eine Sohle aus nachhaltigem Kautschuk aus der Schweiz. Das Leder stammt von der Gerberei Meyer in St. Gallen, die mit weniger als der Hälfte des sonst üblichen Wassers arbeitet. Bally engagiert sich zudem für die Wiederaufforstung von Kautschukbäumen in Südamerika.
- On Running: Cloudultra – vegan, recyceltes Polyester, Schnürsenkel aus PET-Flaschen
- Mammut: Alnasca – PFC-frei, recycelte Schnürsenkel, zertifiziertes Leder
- Rieker: Antistress-Kollektion – Leder nach Swissness-Gesetz, faire Produktion in Europa
- Bally: Slipper – nachhaltiger Kautschuk, Gerberei Meyer mit 50% weniger Wasserverbrauch
Materialien, die den Unterschied machen


Hinter jedem nachhaltigen Schuh steckt die Wahl des richtigen Materials. In der Schweiz haben sich einige innovative Rohstoffe etabliert, die ökologisch und ästhetisch überzeugen.
Schweizer Kalbsleder von Gerberei Meyer in St. Gallen
Die Gerberei Meyer ist ein Familienbetrieb in dritter Generation. Sie verarbeitet ausschliesslich Schweizer Kalbsfelle und setzt auf pflanzliche Gerbung. Der Clou: Der Wasserverbrauch liegt bis zu 50 Prozent niedriger als bei konventionellen Verfahren. Zudem wird das Abwasser zu 90 Prozent recycelt. Das Leder ist weich, atmungsaktiv und wird von Marken wie Bally und Mammut verwendet.
Kork von Cork & More aus dem Tessin
Kork ist ein Wundermaterial: Er ist CO₂-negativ, da die Korkeichen während ihres Wachstums mehr CO₂ binden, als bei der Verarbeitung freigesetzt wird. Die Firma Cork & More im Tessin gewinnt den Kork aus nachhaltiger Forstwirtschaft im Mittelmeerraum und verarbeitet ihn zu Sohlen und Fussbetten. Das Material ist leicht, elastisch und vollständig recycelbar. Im Schuhbau dient es als ideale Alternative zu synthetischen Dämpfungsmaterialien.
Recyceltes PET aus Schweizer PET-Recycling
Die Schweiz hat eines der effizientesten PET-Recyclingsysteme der Welt. Unternehmen wie FREITAG nutzen das recycelte Polyester für wasserdichte Schuhfutter und Innensohlen. Der Vorteil: Es spart bis zu 60 Prozent Energie im Vergleich zur Neuproduktion. FREITAG stellt damit nicht nur Taschen, sondern auch Schuhkomponenten her, die sich später wieder trennen und neu verwerten lassen.
- Gerberei Meyer (St. Gallen): Schweizer Kalbsleder, pflanzliche Gerbung, bis 50% weniger Wasser
- Cork & More (Tessin): Kork – CO₂-negativ, vollständig recycelbar, ideal für Sohlen
- FREITAG (Zürich): Recyceltes PET aus Schweizer Sammelsystem – wasserdichte Futter, energieeffizient
So pflegen Sie Ihre Schuhe richtig (und nachhaltig)
Nachhaltigkeit hört beim Schuhkauf nicht auf. Die richtige Pflege verlängert die Lebensdauer enorm und reduziert den ökologischen Fussabdruck. So gehen Sie vor.
Leder – regelmässig pflegen mit Schweizer Bienenwachs
Leder ist ein Naturmaterial, das Feuchtigkeit braucht. Verwenden Sie mindestens zwei bis drei Mal pro Saison ein Pflegemittel auf Basis von Schweizer Bienenwachs, etwa von der Marke Neutral. Das Wachs dringt in die Poren ein, macht das Leder geschmeidig und schützt vor Nässe. Tragen Sie es dünn auf, bürsten Sie nach – fertig. Tipp: Nicht mit chemischen Reinigern arbeiten; die schaden der Gerbung.
Turnschuhe – waschen mit kaltem Wasser, besser im Waschbeutel
Stoff-Turnschuhe wie die Cloudultra von On können Sie in der Maschine waschen – aber nur mit kaltem Wasser (30 Grad) und im Wäschesack. Alternativ gibt es spezialisierte Reinigungen wie Sneaker Lab in Zürich, die ökologische Mittel verwenden und den Schuh per Hand reinigen. Das schont sowohl das Material als auch die Umwelt. Vermeiden Sie den Tumbler; stattdessen mit Zeitungspapier ausstopfen und an der Luft trocknen.
Imprägnierung – PFC-freie Sprays von Toko oder Grangers
Die meisten handelsüblichen Imprägniersprays enthalten problematische PFCs (per- und polyfluorierte Chemikalien). Diese sind wasserabweisend, aber kaum abbaubar und belasten das Grundwasser. Schweizer Outdoor-Läden führen deshalb PFC-freie Alternativen, etwa Toko Eco Proof oder Grangers Performance Wash. Beide basieren auf biologischen Wachsen und halten bei korrekter Anwendung mehrere Monate. Tipp: Immer gut lüften und nur im Freien sprühen.
Reparieren statt wegwerfen: Kreislaufwirtschaft in der Schweiz

Ein nachhaltiger Schuh ist einer, der möglichst lange getragen wird. In der Schweiz gibt es ein dichtes Netz an Reparaturbetrieben und Gebrauchtmärkten, die das ermöglichen.
Über 200 Schuhmacherbetriebe – Handwerk vor Ort
Alleine in der Schweiz existieren noch über 200 Schuhmacher, die Sohlen wechseln, Löcher stopfen und Risse nähen. Ein Paradebeispiel ist die Schuhmacherei Bäschlin in Bern. Der Betrieb arbeitet mit traditionellen Techniken und verwendet ausschliesslich Materialien aus der Schweiz – etwa Leder von Meyer und Sohlen aus Kautschuk von einem Lieferanten im Kanton Aargau. Eine neue Sohle kostet zwischen 30 und 60 Franken – und verlängert die Lebensdauer um Jahre.
Gebrauchtwaren-Plattform Ricardo – täglich rund 10'000 Schuh-Angebote
Der grösste Schweizer Online-Flohmarkt Ricardo verzeichnet in der Kategorie Schuhe täglich etwa 10'000 aktive Anzeigen. Darunter viele hochwertige Modelle von On, Mammut oder Bally – oft fast ungetragen. Der Kauf gebrauchter Schuhe spart Ressourcen und schont das Portemonnaie. Achten Sie auf den Zustand: Originalverpackung und Pflegehistorie sind ein Plus.
Reparatur-Bonus im Kanton Basel-Stadt – bis 50 Franken Zuschuss
Ein innovatives Modell ist der Reparatur-Bonus des Kantons Basel-Stadt. Seit 2023 erhalten Einwohner:innen einen Zuschuss von bis zu 50 Franken für die Reparatur von Schuhen, Kleidern und Elektrogeräten. Voraussetzung: Der Reparaturbetrieb muss im Kanton ansässig sein und die Rechnung wird eingereicht. Dieses Programm fördert nicht nur die Kreislaufwirtschaft, sondern auch lokale Handwerksbetriebe. Weitere Kantone prüfen ähnliche Modelle.
Jetzt aktiv werden: So finden Sie den passenden nachhaltigen Schuh
Genug der Theorie – jetzt geht es ans Handeln. Mit diesen konkreten Schritten kommen Sie zu Ihrem nächsten nachhaltigen Schweizer Schuh.
- Besuchen Sie den Green Style Market in Zürich – der nächste Termin ist der 15. Oktober 2024. Dort stellen sich Schweizer Labels wie On, Rieker und Mammut mit ihren nachhaltigen Kollektionen vor. Sie können anprobieren, beraten lassen und direkt kaufen.
- Laden Sie die App Fair Fashion Guide – diese App listet über 300 Schweizer Marken auf, filtert nach Nachhaltigkeitskriterien und zeigt lokale Läden an. Für Schuhe gibt es eine eigene Kategorie. Kostenlos und werbefrei.
Nutzen Sie diese Chancen und gehen Sie den ersten Schritt zu Ihrem nachhaltigen Schuhkauf. Besuchen Sie jetzt den Green Style Market oder laden Sie die Fair Fashion Guide App, um Ihren neuen Lieblingsschuh zu finden.



