In der ehemaligen Lego-Fabrik in Baar schafft Studio‑SB Lederobjekte, die Geschichten erzählen. Ein Besuch zeigt, wie Kompromisslosigkeit und Handwerk zu zeitlosen Begleitern werden.
Man betritt die ehemalige Lego-Fabrik in Baar und spürt sofort, dass hier etwas anders läuft. Es riecht nach Leder, aber nicht nach jenem sterilen Duft aus dem Konfektionshaus. Es riecht nach Arbeit, nach Präsenz, nach Entscheidungen. Hier arbeitet ein Mensch, der sich Zeit nimmt. Der nicht schneller wird, nur weil die Welt um ihn herum beschleunigt. Studio‑SB ist kein Label, das Trends hinterherhetzt. Es ist ein Ort des bewussten Machens – und das spürt man jedem Objekt an, das diesen Raum verlässt.


Bevor das erste Stück Leder unter der Nadel lag, stand der Mensch dahinter vor einer Leinwand. Eine klassische Malerausbildung als Protegé des philippinischen Künstlers Federico Aguilar Alcuaz legte das Fundament für das, was Studio‑SB heute ausmacht: ein tiefes Verständnis für Komposition, für das Verhältnis von Fläche und Raum, für die Disziplin, die ein Material einfordert. Diese künstlerische Präzision ist es, die den Designer befähigt, Leder nicht bloss zu verarbeiten, sondern in einen Dialog mit ihm zu treten. Die Arbeit mit Grafikdesign und Lehre rundete den Blick ab – heute fliesst beides zusammen: klassisches Handwerksdenken trifft auf zeitgenössische digitale Werkzeuge. Jedes Objekt ist das Resultat dieser ungewöhnlichen Symbiose.
Struktur, Funktion, Vergänglichkeit: Ein Designmanifest
Die Haltung von Studio‑SB ist klar: Struktur geht vor Dekoration. Funktion geht vor Trend. Die Serie eines Designs erscheint nur wenige Male, bevor das Studio weiterzieht zur nächsten Iteration. Materialkombinationen wiederholen sich nie – jedes Stück ist ein eigenständiges Kompositum, einmalig und unwiederbringlich. Wer ein Objekt von Studio‑SB erwirbt, kauft kein Produkt von der Stange, sondern eine vollendete Idee, eine eingefangene Zeit. Der Ansatz ist nicht Luxus, sondern Beständigkeit. Leder altert, verändert sich, wird weicher – und genau das ist gewollt. Die Objekte sind gemacht, um gebraucht, repariert und über Jahre begleitet zu werden. Sie entfalten ihre Schönheit erst im Gebrauch.
Objekte mit Charakter: Die aktuellen Editionen und ihre Bedeutung
Die Kollektionen tragen Namen wie Esther, Pirmin, Suzy, Vreni – es sind keine anonymen Codes, sondern persönliche Titel. Die Tasche Esther etwa, mit Varianten wie Cinnabar Lode, Blue Moon oder Black Orchid, zeigt das Spiel mit Farben und Strukturen. Die Geometric Bag verweist auf den architektonischen Anspruch, der jeder Linie zugrunde liegt. Daneben existieren die Zero Series und die +41 Series, die unterschiedliche Entwicklungsstadien und Materialexperimente dokumentieren. Hinzu kommen handbemalte Seidenobjekte, die eine direkte künstlerische Geste in den Alltag tragen. Die Bandbreite ist bewusst überschaubar – jedes Stück durchläuft einen langwierigen Prozess aus Design, Prototyping und Verfeinerung. Der hohe Anspruch an Nachhaltigkeit zeigt sich nicht nur in der Langlebigkeit der Objekte, sondern auch im ethischen Umgang mit dem Material: Leder wird nicht aus neuem Bedarf beschafft, sondern als Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie genutzt, das sonst Abfall wäre. Gleichzeitig sucht das Studio aktiv nach innovativen, pflanzlichen Alternativen – ein ehrlicher Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist, aber die Richtung weist.
Ein Besuch bei Studio‑SB ist keine Einkaufsberatung im herkömmlichen Sinne. Es ist eine Einladung, die eigene Haltung zu den Dingen zu überdenken. Vielleicht ist genau das der grösste Mehrwert: die Erkenntnis, dass ein Alltagsgegenstand mehr sein kann als reine Zweckmässigkeit – ein Spiegel der eigenen Werte, eine Investition in eine Beziehung, die über Jahre trägt. Wer diesen Weg gehen möchte, findet in der ehemaligen Lego-Fabrik in Baar einen stillen, aber dafür umso überzeugteren Gefährten.
Schlagwörter
Funktionale Objekte — mit strukturellem Anspruch
Sihlbruggstrasse 3a
6340 Baar, Schweiz




