Immer mehr Schweizer Labels stellen sich der Herausforderung, Kleidung zu produzieren, die nicht nur gut aussieht, sondern auch gut für Mensch und Planet ist.
Die Modebranche zählt zu den grössten Umweltverschmutzern weltweit – doch genau hier in der Schweiz entsteht eine Gegenbewegung, die beweist, dass Stil und ökologische Verantwortung kein Widerspruch sein müssen. Immer mehr Schweizer Labels stellen sich der Herausforderung, Kleidung zu produzieren, die nicht nur gut aussieht, sondern auch gut für Mensch und Planet ist. Von rezyklierten LKW-Planen über pflanzlich gefärbte Wolle bis hin zu Bäumen, die mit jedem verkauften T-Shirt wachsen – die hiesige Modewelt zeigt, wie zukunftsweisendes Design aussehen kann. Tauchen Sie mit uns ein in die Welt der nachhaltigen Schweizer Modemarken und entdecken Sie, wie Sie mit Ihrem Kleiderschrank einen positiven Beitrag leisten können.
Der Aufstieg der nachhaltigen Mode in der Schweiz



Die Initiative «Fashion Revolution Schweiz» hat in den letzten Jahren massgeblich dazu beigetragen, das Bewusstsein für Transparenz entlang der gesamten textilen Lieferkette zu schärfen. Unter dem Hashtag #WhoMadeMyClothes fordern Aktivistinnen und Konsumenten jährlich Antworten auf die Frage, unter welchen Bedingungen unsere Kleidung tatsächlich entsteht. Parallel dazu zeigt eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK aus dem Jahr 2023, dass bereits 30% der Schweizer Konsumenten aktiv auf Nachhaltigkeitsaspekte achten, wenn sie Mode kaufen – ein Anstieg um 8% gegenüber 2020.
Ein Paradebeispiel für diesen Wandel ist die Zürcher Taschenmarke FREITAG. Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 setzt sie konsequent auf rezyklierte LKW-Planen, die zu individualisierten Taschen, Rucksäcken und Accessoires verarbeitet werden. Was als Studentenprojekt begann, ist heute ein international gefeierter Vorreiter: Jede Tasche ist ein Unikat, und das Prinzip der Abfallvermeidung steht seit über drei Jahrzehnten im Zentrum. FREITAG hat gezeigt, dass Nachhaltigkeit und urbanes Design sich perfekt ergänzen können.
Doch es geht nicht nur um Taschen. Immer mehr Bekleidungsmarken entdecken das Potenzial von regionalen Rohstoffen, fairen Produktionsbedingungen und langlebigen Materialien. Die Bewegung wird von einer wachsenden Kundschaft getragen, die bereit ist, für Qualität, Transparenz und Umweltbewusstsein etwas mehr zu bezahlen. Der Trend zur Slow Fashion ist in der Schweiz angekommen – und mit ihm eine Vielzahl innovativer Labels.
Wichtige Zertifikate und Siegel
Für modebewusste Konsumenten ist es oft nicht einfach, echte Nachhaltigkeit von Marketing zu unterscheiden. Zertifikate und Siegel bieten hier eine wichtige Orientierungshilfe. Sie stellen sicher, dass bestimmte Standards eingehalten werden – von biologischen Rohstoffen bis zu fairen Löhnen.
- GOTS (Global Organic Textile Standard): Dieses Siegel garantiert, dass mindestens 70% der Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Zudem müssen alle Produktionsschritte – von der Färberei bis zur Konfektion – umweltfreundlich gestaltet sein. Marken wie die Berner Firma Bachaa verwenden ausschliesslich GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle, oft kombiniert mit fairen Arbeitsbedingungen vor Ort.
- Fairtrade-Siegel: Neben dem Umweltschutz legt dieses Label grossen Wert auf soziale Gerechtigkeit. Es sichert faire Löhne, verbietet Kinderarbeit und fördert demokratische Strukturen in den Produktionsländern. Ein Beispiel ist die Kooperative Swiss Fair Trade, die unter anderem mit Textilproduzenten in Indien und Bangladesch zusammenarbeitet.
- Bluesign-System: Ein in der Schweiz entwickeltes Label, das die gesamte textile Lieferkette auf Schadstoffe prüft und einen verantwortungsvollen Umgang mit Chemikalien und Ressourcen fordert. Viele Outdoor-Marken wie Mammut setzen auf Bluesign-zertifizierte Materialien.
Achtung: Das «Swissness»-Siegel allein sagt noch nichts über die ökologische oder soziale Verträglichkeit eines Produkts aus. Es bezieht sich lediglich auf den Schweizer Herkunftsort oder den Fertigungsanteil hierzulande. Verbraucher sollten daher nicht blind darauf vertrauen, sondern stets die gesamte Produktionskette hinterfragen. Ein Kleidungsstück mit Swissness-Label kann immer noch aus konventioneller Baumwolle unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen gefertigt sein.
So erkennen Sie vertrauenswürdige Siegel
Prüfen Sie beim nächsten Einkauf bewusst die Etiketten. Seriöse Zertifikate sind in der Regel mit einer unabhängigen Prüfstelle verbunden und geben konkrete Auskunft über den Anteil ökologischer oder fair gehandelter Materialien. Lassen Sie sich nicht von vagen Begriffen wie «Eco» oder «Green» blenden – fragen Sie im Laden nach oder recherchieren Sie vorab online. Immer mehr Schweizer Modegeschäfte bieten übrigens auch eigene Nachhaltigkeitsberichte an, die Einblick in ihre Lieferketten geben.
Schweizer Pioniere der nachhaltigen Mode

Die Schweiz hat einige herausragende Marken hervorgebracht, die mit kreativen Lösungen und mutigen Konzepten zeigen, wie zeitgemässe Mode aussehen kann. Hier sind drei Beispiele, die stellvertretend für eine ganze Bewegung stehen.
NIKIN: Mode, die Bäume pflanzt
Das 2016 gegründete Label aus Aarau hat ein klares Versprechen: Für jedes verkaufte Kleidungsstück pflanzt NIKIN einen Baum – über 500’000 Bäume sind so bereits entstanden, vor allem in Madagaskar, Nepal und der Schweiz selbst. Die Kollektionen bestehen aus Bio-Baumwolle recyceltem Polyester und werden unter fairen Bedingungen in Portugal und der Türkei produziert. Die Designs sind lässig modern, mit typischen Logos und Motiven. NIKIN beweist, dass soziales Engagement und Streetwear sich bestens verbinden lassen.
Hautelook: Recyceltes PET und Bio-Baumwolle aus Luzern
Die Luzerner Marke Hautelook produziert Kleider aus recyceltem PET und Bio-Baumwolle – und das komplett lokal. Die gesamte Fertigung vom Zuschnitt bis zur Endverarbeitung findet in der Zentralschweiz statt. Besonders bekannt ist Hautelook für seine zeitlosen Kleider in klaren Linien und kräftigen Farben. Geschäftsführerin Corinne Wälti legt Wert auf eine transparente Lieferkette und kurze Transportwege. Die Kundschaft schätzt die hohe Qualität und das klare Design – Kleidungsstücke, die mehrere Saisons überdauern.
Façon Jacmin: Walliser Wolle und Pflanzenfarben
Im Wallis hat sich das Familienunternehmen Façon Jacmin auf regionale Wolle und traditionelle Färbetechniken spezialisiert. Die Schafe stammen aus dem Kanton, die Wolle wird in der Schweiz verarbeitet und mit Pflanzen wie Färberwaid, Krapp oder Kamille gefärbt. Jedes Stück ist ein Unikat, das von Hand gefertigt wird. Façon Jacmin zeigt, dass authentische Nachhaltigkeit in den Bergen beginnt – mit Respekt vor den Tieren, der Landschaft und dem Handwerk. Die Kollektion umfasst Pullover, Schals und Mützen, die nicht nur wärmen, sondern auch Geschichten erzählen.
Nachhaltigkeit in der Produktion: von Rohstoffen bis zur Lieferkette


Der Weg zu einem nachhaltigen Kleidungsstück beginnt bereits bei der Wahl der Rohstoffe. In der Schweiz gibt es vielversprechende Ansätze, um konventionelle Fasern durch umweltfreundlichere Alternativen zu ersetzen.
Bio-Baumwolle aus der Schweiz ist zwar noch eine Seltenheit, doch das Projekt «Swiss Cotton» testet seit 2020 den Anbau im Tessin. Die ersten Ernten zeigen, dass die Qualität der Ballenfasern durchaus mit importierter Ware mithalten kann. Zwar ist die Menge noch klein, doch das Potenzial für eine regionale Kreislaufwirtschaft ist gross. Labels wie Swisswool setzen bereits auf Schweizer Merinowolle und kombinieren sie mit Tencel (Lyocell), einer Faser aus Eukalyptus-Holz, die biologisch abbaubar ist und im geschlossenen Wasserkreislauf produziert wird.
Ein weiterer innovativer Ansatz ist das Recycling von Alttextilien. Das Basler Label Second Sutra sammelt ausrangierte Kleidung, sortiert sie nach Material und Faserqualität und lässt daraus neue Garne spinnen. Diese werden zu modernen Jacken, Hosen oder Kleidern verarbeitet. Der Prozess spart Wasser, Energie und verhindert, dass Textilien auf der Deponie landen. Second Sutra arbeitet mit lokalen Schneidereien zusammen und bleibt so der Schweizer Wertschöpfung treu.
- Achten Sie beim Kauf auf den Materialmix: Kombinationen aus Bio-Baumwolle und recyceltem Polyester oder Tencel sind besonders umweltfreundlich.
- Fragen Sie in Geschäften nach der Herkunft der Stoffe – viele Marken geben heute auf ihren Websites genaue Informationen zu ihren Lieferanten.
- Unterstützen Sie Projekte wie «Swiss Cotton» oder Second Sutra, indem Sie gezielt bei ihnen einkaufen.
Second Hand und Upcycling boomen in der Schweiz
Second-Hand-Mode erlebt in der Schweiz einen regelrechten Boom. Immer mehr modebewusste Menschen entdecken den Reiz von gebrauchten Kleidungsstücken – und tragen damit aktiv zur Abfallvermeidung bei. Die Plattform Ricardo.ch verzeichnet im Modebereich jährlich rund 20% mehr Nutzerinnen und Nutzer, und auch Videdressing.ch gewinnt stetig an Bedeutung. Besonders gefragt sind Designerstücke, Vintage-Funde und gut erhaltene Basics.
In Städten wie Zürich gibt es spezialisierte Second-Hand-Boutiquen, die mit sorgfältig kuratierten Sortimenten überzeugen. Die Brocki-Filialen (Brockenhäuser) bieten ein breites Spektrum von Second-Hand-Kleidung, von alltäglich bis exklusiv. Die Boutique Trucs an der Zypressenstrasse hat sich auf luxuriöse Second-Hand-Mode spezialisiert – mit Marken wie Prada, Chanel und Hermès zu deutlich reduzierten Preisen.
Noch einen Schritt weiter geht das Upcycling: Hier werden alte Kleidungsstücke oder Stoffreste in neue, hochwertige Produkte verwandelt. Das Berner Label Recycouture hat sich darauf spezialisiert, aus ausrangierten Militäruniformen der Schweizer Armee moderne Jacken, Westen und Taschen zu fertigen. Jedes Stück ist handgenäht, mit Schweizer Fahnenstickerei verziert und erhält eine ganz eigene Geschichte. Recycouture zeigt, dass Upcycling nicht nur nachhaltig, sondern auch ein Ausdruck von Stil und Individualität sein kann.
Actionable Tipps für den Second Hand Einstieg
- Stöbern Sie regelmässig auf Ricardo.ch oder Videdressing.ch – mit Filtern nach Grösse, Marke und Zustand finden Sie schnell das Passende.
- Besuchen Sie lokale Brockenhäuser und Second-Hand-Boutiquen – oft gibt es einzigartige Schätze zu entdecken.
- Unterstützen Sie Upcycling-Labels wie Recycouture oder starten Sie eigene Upcycling-Projekte mit alten Kleidungsstücken.
Handeln Sie jetzt: Unterstützen Sie lokale Labels, kaufen Sie Second Hand oder upcyceln Sie Ihre Kleidung. Jeder Schritt zählt – machen Sie mit und werden Sie Teil der Schweizer Mode-Revolution!



