Nachhaltige Haarpflege in der Schweiz boomt: Entdecke lokale Labels wie Farfalla, La Biosphère und Swiss-O-Par, Refill-Stationen und feste Shampoos für eine Zero-Waste-Routine.
Haare waschen ohne schlechtes Gewissen – klingt das nicht verlockend? Während die Beauty-Industrie jährlich Tonnen von Plastikmüll produziert, zeichnet sich in der Schweiz eine leise, aber mächtige Revolution ab: Immer mehr Menschen greifen zu festen Shampoos, Refill-Flaschen und regionalen Kräuterrezepturen. Der Trend heisst Zero Waste im Haar, und er wird von cleveren, lokal verwurzelten Marken wie Farfalla, La Biosphère und Soapy angeführt. Denn wer in der Schweiz lebt, weiss: Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Trend, sondern eine Haltung – und die Haarpflege bildet da keine Ausnahme. In diesem Artikel tauchen wir ein in die Welt der plastikfreien, tierversuchsfreien und oft sogar biologisch zertifizierten Produkte, die dein Badezimmer verwandeln und gleichzeitig die Umwelt schonen. Du erfährst, welche Schweizer Labels wirklich halten, was sie versprechen, wo du Refill-Stationen findest und wie du mit einfachen Schritten deine eigene Zero-Waste-Haarroutine aufbaust.
Warum nachhaltige Haarpflege in der Schweiz boomt
Die Schweiz hat ein ausgeprägtes Bewusstsein für Umweltfragen – das zeigt sich auch im Beauty-Korb. Laut einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo aus dem Jahr 2023 bevorzugen bereits 45% der Schweizer Konsumenten nachhaltige Beauty-Produkte, wenn sie die Wahl haben. Gerade bei der Haarpflege steigt die Nachfrage nach ökologischen Alternativen rasant. Die grossen Detailhändler haben längst reagiert: Coop erweitert sein Naturaplan-Sortiment kontinuierlich um feste Shampoos und Spülungen in Papierverpackungen, während Migros unter der Eigenmarke Bio immer mehr Produkte mit dem Natrue-Siegel anbietet. Sogar die Drogeriekette Müller hat in den letzten Jahren ihr Angebot an plastikfreien Haarpflegeprodukten verdoppelt.
Doch der wahre Treiber sind die lokalen Pioniermarken. Sie setzen auf kurze Transportwege, regionale Rohstoffe und transparente Produktion. Farfalla etwa produziert seit über 40 Jahren in der Schweiz und verwendet ausschliesslich ätherische Öle aus kontrolliert biologischem Anbau – viele davon aus den Alpen. La Biosphère aus dem Kanton Wallis arbeitet mit Schweizer Kräutern wie Bergarnika und Alpenrose und bezieht das Wasser für seine Produkte direkt aus einer eigenen Quelle in den Waadtländer Alpen. Und Swiss-O-Par hat sich verschrieben, einen Grossteil seiner Verpackungen auf nachfüllbare Glas- oder Aluminiumbehälter umzustellen – ein klares Zeichen gegen die Wegwerfmentalität. Die Kundschaft honoriert dies: Laut einer Marktanalyse von NielsenIQ aus dem Jahr 2023 ist der Umsatz mit nachhaltiger Haarpflege in der Schweiz innerhalb von zwei Jahren um 30% gestiegen.
Die bekanntesten Schweizer Labels für nachhaltige Haarpflege


Wenn du in der Schweiz nach Zero-Waste-Haarpflege suchst, stösst du schnell auf drei Namen, die sich durch Qualität, Transparenz und ökologischen Anspruch auszeichnen. Wir stellen sie dir im Detail vor – inklusive konkreter Produktempfehlungen.
Farfalla – Bio-Klassiker seit 1980
Farfalla ist eine der ältesten Naturkosmetik-Marken der Schweiz und geniesst einen exzellenten Ruf. Das Sortiment umfasst über 50 Haarpflegeprodukte – von festen Shampoos über flüssige Bio-Shampoos bis hin zu Haarkuren. Alle Produkte sind vegan, ohne Mikroplastik und mit einem hohen Anteil an biologischen Inhaltsstoffen. Besonders beliebt ist das Feste Shampoo Rosmarin & Zitrone, das für normales bis fettiges Haar entwickelt wurde und in einer kompostierbaren Papierschachtel daherkommt. Farfalla setzt konsequent auf regionale Lieferanten: Die ätherischen Öle stammen aus der Schweiz und Südfrankreich, die Grundöle – wie Jojoba aus kontrolliert biologischem Anbau – werden fair gehandelt.
La Biosphère – Alpenkraft für die Haare
Die Marke aus dem Wallis hat sich auf die Verwendung von Schweizer Kräutern spezialisiert. Ihre Bio-Haarpflege-Serie mit Arnika nutzt die entzündungshemmende und durchblutungsfördernde Wirkung der Bergpflanze – ideal für eine gesunde Kopfhaut. Das Produkt ist nicht nur vegan, sondern auch nach Natrue zertifiziert, was strenge Kriterien an natürliche Inhaltsstoffe und umweltfreundliche Herstellung garantiert. La Biosphère arbeitet mit einer regionalen Seifenmanufaktur zusammen, die ihre Produkte in Handarbeit herstellt. Die Flaschen bestehen zu 100% aus recyceltem PET, die Etiketten aus Graspapier – ein Pluspunkt für alle, die auf Verpackungsmüll achten.
Swiss-O-Par – Nachhaltigkeit durch Refill-System
Swiss-O-Par produziert in der Zentralschweiz und hat ein besonderes Augenmerk auf Kreislaufwirtschaft gelegt. Ihre Refill-Stationen sind in über 100 Läden in der ganzen Schweiz zu finden – von Zürich bis Lugano. Du kaufst einmal eine stabile Glasflasche und füllst sie immer wieder auf. Das Sortiment umfasst milde Shampoos für sensible Kopfhaut, Conditioner mit Biobaumwoll-Extrakt und sogar eine Leave-in-Pflege. Alle Produkte sind ohne Silikone, Parabene und künstliche Duftstoffe. Swiss-O-Par verwendet zudem ausschliesslich Ökostrom für die Produktion und kompensiert die verbleibenden CO2-Emissionen über ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt in Peru.
Zero-Waste-Konzepte: Feste Shampoos und Conditioner
Der einfachste Einstieg in die nachhaltige Haarpflege sind feste Shampoos – sie kommen ohne Plastikflasche aus, sind leicht zu transportieren und halten oft doppelt so lange wie flüssige Produkte. In der Schweiz gibt es eine wachsende Zahl an lokalen Herstellern, die sich diesem Trend verschrieben haben.
- Soapy aus Zürich: Die junge Marke produziert handgemachte feste Shampoos in den Duftrichtungen Lavendel, Orange und Minze. Die Verpackung besteht aus recyceltem Karton mit pflanzlicher Druckfarbe. Ein Shampoo-Riegel reicht für ca. 80 Haarwäschen – das entspricht etwa drei bis vier Flaschen herkömmlichen Flüssigshampoos.
- Seifenmanufaktur Zürich: Diese Manufaktur stellt seit 2015 feste Conditioner her, die auf Sheabutter und Kakaobutter basieren. Sie sind frei von Palmöl und enthalten ätherische Öle aus der Region. Die Riegel werden in einer kleinen Werkstatt im Kreis 4 hergestellt und direkt ab Hof oder auf lokalen Märkten verkauft.
- Lush Schweiz: Auch wenn Lush eine internationale Kette ist, betreibt das Unternehmen mehrere Filialen in der Schweiz (Zürich, Bern, Basel) und bietet eine breite Palette fester Haarpflegeprodukte. Die «Honey I Washed My Hair» feste Shampoo-Bar ist ein Bestseller. Allerdings ist Lush nicht vollständig lokal – wer die regionale Wirtschaft unterstützen will, greift lieber zu Soapy oder Zürcher Seifenmanufakturen.
Feste Shampoos haben einen weiteren Vorteil: Sie sind ideal für Reisen. Keine Flüssigkeitsbeschränkungen am Flughafen, kein Auslaufen im Koffer – und sie wiegen praktisch nichts. In der Schweiz boomen feste Conditioner ebenfalls: Marken wie Farfalla und La Biosphère haben in den letzten Jahren eigene Varianten lanciert. Die Anwendung ist einfach: Das nasse Haar über den Riegel streichen, einmassieren und ausspülen – fertig. Die Umstellung braucht etwa eine Woche, bis sich die Kopfhaut an die neue Pflege gewöhnt hat. Ein Tipp: Nach dem Waschen mit einer Apfelessig-Spülung (1 Esslöffel Apfelessig auf 250 ml Wasser) nachspülen – das neutralisiert den pH-Wert und verleiht Glanz.
Refill-Stationen und Unverpackt-Läden in der Schweiz



Wer Produkte in eigenen Behältern abfüllen möchte, findet in der Schweiz ein dichtes Netz an Unverpackt-Läden und Refill-Stationen. Diese Geschäfte sind ein zentraler Bestandteil der Zero-Waste-Bewegung, denn sie eliminieren Verpackungsmüll komplett. Hier die wichtigsten Adressen und Kooperationen:
- Unverpackt Zürich (Zürich, Kreis 5): Dieser Laden führt über 200 Produkte, darunter flüssige Shampoos und Conditioner von Alverde (dm) und lokalen Herstellern. Du bringst deine eigenen Flaschen mit – oder kaufst vor Ort gereinigte Glasbehälter. Der Shop arbeitet eng mit der Marke Swiss-O-Par zusammen, deren Refill-Stationen fest installiert sind.
- Bareli (Bern): In der Berner Altstadt gelegen, bietet Bareli eine grosse Auswahl an festen Haarpflegeprodukten und eine eigene Abfüllstation für flüssiges Shampoo. Besonders beliebt ist der Spülung-Refill von Farfalla, der in einer grossen Edelstahltankstelle bereitsteht. Der Laden verwendet ausschliesslich Mehrweggläser und verzichtet auf Plastik.
- Loose (Basel): Dieser Unverpackt-Laden in der Basler Innenstadt hat sich auf regionale Bio-Produkte spezialisiert. Die Refill-Station für Haarpflege umfasst La Biosphère Produkte – darunter das Arnika-Shampoo und der Kräuter-Conditioner. Das Personal berät zu Dosierung und Anwendung, und du kannst kleine Mengen abfüllen, um erstmal zu testen.
Ein besonders gelungenes Beispiel für Kreislaufwirtschaft ist die Mühle St. Gallen. Hier wird nicht nur Getreide gemahlen – die ehemalige Mühle beherbergt heute eine Manufaktur, die eigene Haarseifen und Pflegeprodukte herstellt. Seit 2022 gibt es eine öffentliche Refill-Station, an der du Shampoo, Conditioner und sogar Rasieröl in deine eigenen Behälter füllen kannst. Die Produkte bestehen zu 95% aus Schweizer Rohstoffen, darunter Hanföl aus dem Thurgau und Lavendel aus dem Toggenburg. Ein Besuch lohnt sich – und unterstützt die lokale Wirtschaft.
Auch Grossverteiler ziehen nach. Coop hat in ausgewählten Filialen (darunter Zürich Hauptbahnhof, Bern Bahnhof, Basel SBB) Unverpackt-Regale eingerichtet, wo du Produkte von Swiss-O-Par und Farfalla in eigenen Behältern abfüllen kannst. Migros testet aktuell ein ähnliches Konzept in den Genferseefilialen. Die Nachfrage ist so gross, dass die Läden oft früh am Morgen die grössten Abfüllmengen verzeichnen.
Tipps für den Einstieg in nachhaltige Haarpflege
Du möchtest umsteigen, aber weisst nicht, wo du anfangen sollst? Keine Sorge – eine Zero-Waste-Haarroutine muss nicht radikal sein. Mit diesen konkreten Schritten gelingt der Wechsel sanft und effektiv.
Schrittweise umstellen, nicht alles auf einmal
Deine Haare und Kopfhaut brauchen Zeit, um sich an neue Inhaltsstoffe zu gewöhnen. Ersetze zuerst das Shampoo durch eine feste oder flüssige Bio-Variante. Nach etwa zwei bis drei Wochen kannst du den Conditioner austauschen. So vermeidest du ein «Fettigkeits-Gefühl» oder trockene Spitzen, das bei einer abrupten Umstellung auftreten kann. Viele Anwender berichten, dass ihre Haare nach der Umstellung auf feste Shampoos zunächst etwas strohig wirken – das liegt daran, dass Silikone aus der konventionellen Pflege entfernt werden. Nach einer Woche reguliert sich die Kopfhaut, und die Haare werden glänzender und geschmeidiger.
Auf Zertifikate achten – Natrue, BDIH, Vegan
Nicht jedes Produkt, das «natürlich» heisst, ist auch wirklich nachhaltig. Achte auf anerkannte Siegel wie Natrue (die strengste Naturkosmetik-Zertifizierung in Europa) oder BDIH (für kontrollierte Naturkosmetik). Beide garantieren, dass keine synthetischen Duftstoffe, Silikone, Parabene oder Mikroplastik enthalten sind. Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf das Label «Vegan» – die meisten Schweizer Labels sind ohnehin vegan, aber Produkte mit Bienenwachs oder Lanolin (Wollfett) findet man gelegentlich. Farfalla und La Biosphère sind beide vegan zertifiziert.
DIY-Rezepte mit Schweizer Kräutern
Warum nicht selbst Hand anlegen? Die Natur liefert in der Schweiz eine Fülle an pflegenden Kräutern, die sich ideal für selbstgemachte Haarpflege eignen. Arnika (aus dem Wallis) fördert die Durchblutung der Kopfhaut und kann als Tee zubereitet und als letzte Spülung verwendet werden. Alpenrose (aus Graubünden) wirkt beruhigend und eignet sich für empfindliche Kopfhaut. Ein einfaches Rezept: 2 Esslöffel getrocknete Alpenrosenblätter mit 500 ml heissem Wasser übergiessen, 15 Minuten ziehen lassen, abseihen und als letzte Spülung nach der Haarwäsche verwenden. Das verleiht Glanz und einen zarten Duft.
Probier es aus und teile deine Erfahrungen auf stilmagazin.ch! Wir sind gespannt auf deine Zero-Waste-Haargeschichte.



